Reading in Seville: 3 1/2 Buchtipps

Wenn du innerhalb von 9 Tagen über 500 Seiten liest, jede freie Minute mit deinem Kindle verbringst und am Ende 3 1/2 Buchtipps vom Urlaub mit heim bringst …

Ich war letzte Woche in Sevilla, bin bei knapp 45 Grad fast geschmolzen, habe die wunderschöne Architektur dieser Stadt bewundert, Tapas geschlemmt und Vino en masse getrunken und in jeder freien Minute gelesen. Deswegen war ich auch auf Facebook und Co. komplett offline – ich habe einfach eher zum Kindle als zum Handy gegriffen. Generell bin ich in den letzten drei Wochen zu einem Bücherwurm sondergleichen mutiert und „schuld“ daran waren eigentlich vier GROSSARTIGE Blogger / Booktuber: Ariel Bissett, Mia von Paper and Poetry, Liesa von Frühlingsmärchen und die Mädels von Made of Stil. Ich habe mich durch Burchrezensionen gewühlt, Book Hauls angeschaut und vor dem Urlaub kurzerhand vier Bücher gekauft. Eines davon sogar noch am Flughafen, weil ich es unbedingt lesen wollte. Heraus gekommen sind 3 1/2 Buchtipps, die ich mit Euch teilen will:

1.Die holyge Bimbel von Shahak Shapira

Der Autor hat Teile der Bibel in eine ziemlich krasse Form der Internet-Sprache übersetzt, mit ziemlich vielen „vongs“ und „I bims“. Oder hier vielleicht eine passendere Zusammenfassung:

„1 flyes Book für den trendbewussten Yolo-Swagger, der schon alles hant. Endlich können wirklich alle die Bibel lesen: die heilige Schrift in Internetdeutsch. Die bestesten Stories aus dem freshen u old school Tastyment oversetzt, incl. Bimbel Allstarz wie Jesus Chrispus, Moses Def, Adolf & Eva, Jona Hill, A-Broham u numberreiche weitere Larrys!“

Das Buch hätte ich mir wahrscheinlich nie gekauft, wäre da nicht eine interessante Rezension in der SZ gewesen und mein Freund, der sich beim Lesen nicht mehr eingekriegt hat vor Lachen. Die 80 Seiten habe ich auf dem Hinflug gelesen und mich selbst kaputt gelacht, wie Shahak Shapira diese populären Geschichten aus der Bibel in ein „neues Deutsch übersetzt“. Ich empfinde all die „vongs“ und „Larrys“ übrigens nicht als Verarschung oder Veräppelung, sondern einfach als eine von vielen Herangehensweise an die Bibel als Buch. Und wenn sich dadurch junge, internetaffine Menschen mit der Bibel auseinander setzen, warum nicht? Für alle Anderen, die den Aspekt des Glaubens außen vor lassen, ist es einfach ein unglaublich witziges Buch.

2. Das Rauschen in unseren Köpfen von Svenja Gräfens
Die Geschichte von Lene und Hendrik, die sich in Berlin Hals über Kopf ineinander verlieben, nach und nach einen gemeinsamen Alltag und Freundeskreis haben, zusammenziehen und deren Beziehung am Ende doch zerbricht. Es ist eine unaufgeregte Erzählung ohne Cliffhanger, dunkle Geheimnisse oder Irrungen und Wirrungen, aber so eindringlich erzählt, dass man sich den Protagonisten ganz nah fühlt – eben so, als säße man bei einer Freundin am WG-Tisch und nach einem „Hast Dus schon mitgekriegt?“ bekommt man diese Liebesgeschichte zu hören. Svenja Gräfens schafft es meiner Meinung nach mit ganz zarten, wundervollen Tönen, das traurige Ende einer Beziehung zu beschreiben.

3. 13 ways looking at a fat girl von Mona Awad
Wir lernen die ca. 13-jährige Elizabeth kennen, die ziemlich dick ist. Während der Pubertät trägt sie aus Unwohlsein nur schwarze Oberteile und schwarze Maxi-Röcke und nimmt nach und nach ab, bis sie als (so würde ich das einschätzen) fast in eine Ess-Störung hinein schlittert. Und obwohl sie schließlich als ca. 30-jährige Frau ihr Normalgewicht erreicht, fühlt sie sich nie so, als hätte sie ihr Ziel erreicht. Das Buch ist in meinen Augen daher kein Abnehm-Weg einer dicken Frau, sondern die Erzählung vom permanenten Hadern mit der eigenen Figur (ganz egal, ob dick oder dünn!), dem Unwohl-Fühlen in der eigenen Haut, dem omnipräsenten schlechten Gewissen und dem ständigen Vergleichen mit anderen Frauen. Ein ziemlich erschreckendes Buch, aber dank des rabenschwarzen Humors der Protagonisten auch unglaublich lustig und skurril!

4. All we shall know von Donal Ryan
Eine Frau ist schwanger. Allerdings nicht von ihrem Ehemann, sondern von einem Mann (oder besser gesagt: Jungen), der 17 Jahre jünger ist als sie. So geht das Buch los und in jedem Kapitel (das mit der zwölften Schwangerschaftswoche beginnt), erfahren wir mehr über die Frau, ihren (Ex-)Mann und die Situation, in der sie sich befindet.

Dieses Buch habe ich nur bis zur Mitte geschafft, aber ich kann Folgendes sagen: Die Härte und Kälte der Frau hat mich so richtig schockiert und nahezu fassungslos gemacht. So viele Tränen, Beschimpfungen, distanziertes Mitleid mit dem eigenen Vater, Unfreundlichkeit, Arroganz und die Ernüchterung, dass die Protagonistin trotz einiger freundlicher, warmherziger Momente wohl einfach ein riesengroßes Arschloch zu sein scheint. Ich lese das Buch auf jeden Fall zu Ende, weil ich wissen will, wie die Geschichte ausgeht – das aber mit ganz viel Unbehaglichkeit.

Was habt Ihr in letzter Zeit so gelesen? Buchtipps für mich? Immer her damit!

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