Sport & Fair: Ein Dilemma

Sport-Kleidung, die mich in Sachen Fairness überzeugt, habe ich bis jetzt immer noch nicht gefunden. Obwohl es ja mittlerweile wirklich für alles eine faire, vegane und / oder ökologisch nachhaltige Alternative gibt. Aber Sport-Kleidung? Puh, die hat mich fast schon verzweifeln lassen. Über ein Dilemma …

Erstmal zur Ausgangslage: Ich mache sehr gern und regelmäßig, etwa viermal in der Woche, Sport. Sehr oft bin ich beim CrossFit, gehe schwimmen und laufen, mache gern Yoga und am Wochenende bin ich beim Wandern in den Bergern. Früher habe ich mich dafür mit Shirts begnügt, die ich im Alltag nicht mehr getragen habe und für die ich noch eine zweite Verwendung finden wollte. Aber praktisch ist so ein Baumwoll-Shirt nicht, vor allem, wenn man am zugigen Berggipfel ankommt und wegen des verschwitzten Shirts eine böse Erkältung befürchten muss. Und, seien wir ehrlich: Das Auge sportelt irgendwo auch mit.

Als ich faire Modemarken entdeckt habe, habe ich mich auch sehr schnell nach fairer Sport-Kleidung umgesehen. Marken wie Patagonia werben zwar mit „grünen“ Siegeln, aber nach einigen gelesen Zeitungsartikeln darüber war ich mir auch nicht mehr ganz sicher, ob das jetzt wirklich nachhaltig ist oder eher Green-Washing. Also habe ich noch weiter recherchiert, auf der Suche nach atmungsaktiver, schöner Sportkleidung. Ich habe auch Einiges gefunden, aber damit fing mein Dilemma an:

1.It´s all about yoga – but not always, please!
In Läden und Online Shops rund um Nachhaltigkeit und fairer Mode findet man schon auch Sport-Kleidung, aber eigentlich ausschließlich: Yoga-Kleidung! Hä, warum? Nur, weil ich auf meinen Plastikverbrauch achte, faire Kleidung kaufe, vegetarisch esse und mir Nachhaltigkeit und der Schutz unseres Planeten sehr am Herzen liege, heißt das doch nicht, dass ich nur „Shanti, shanti, om“ – singend durch die Welt tanze. Ja gut, das schon auch, aber doch nicht nur! Was ich will, sind cool aussehende Lauf-Tights mit Gummizug und keine lavendelfarbenen Pluder-Yoga-Hosen. (Ich gebe ja zu: Es gibt mittlerweile ECHT heiße Yoga Tights, aber eben noch zu wenige!). Was ich brauche, sind Sport-BHs, die wirklich Halt geben und nicht nur ein bisschen fancy Stoff. Spätestens beim Seilspringen habe ich nämlich sonst ein Problem. Aber so viel ich auch recherchiert habe, so wirklich fündig geworden bin ich nicht. Ach, doch! Aber damit kommen wir auch schon zum nächsten Problem…

2. Shipping vom Ende der Welt – mit saftigen Versandkosten und noch höheren Retoure-Kosten
Mein vorläufiger Höhepunkt meiner Suche war erreicht, als ich bei Dariadaria eine Rubrik für Yoga und AUCH Fitness entdeckt habe. Ich war im Sportler-Himmel und bereit, mich endlich, endlich mit fairer Sport-Kleidung einzudecken. Nur, den richtig heißen Shit (meiner Meinung nach!) hätte ich in UK oder USA bestellen müssen. Und das heißt: Ziemlich hohe Versandkosten und meistens auch noch Retoure-Kosten. Okay, also nochmal überlegen. „Bräuchte ich dann eher S oder M? Und was ist, wenn mir der Schnitt doch nicht gefällt? Im Sporthaus in der Innenstadt könnte ich alles direkt probieren. Dann hätte ich diesen ganzen Aufwand nicht.“ Ihr ahnt es vielleicht: Ich habe dann nichts bestellt.

Mir ist schon bewusst, dass sich das alles nach ganz schön vielen Ausflüchten anhört. “ Ach so, jetzt ist sie also nicht mal bereit, die Versandkosten auf sich zu nehmen.“ Und danach, dass ich die großen Sport-Riesen mit ihren Greenwashing-Kampagnen in Schutz nehme. Aber das ist nun mal das Dilemma von Fair Fashion. Sie muss mindestens genauso cool, leicht erhältlich und gut sein wie konventionelle Mode. Damit sie eben nicht wegen eines Siegels gekauft wird, sondern deshalb, weil sie eben echt besser ist als Mode mit fürchterlichen Produktionsbedingungen.

Bis dahin suche und schließe ich Kompromisse, obwohl ich das eigentlich gar nicht will. Deshalb, liebe Kreative, Sportler und / oder Sport-Marken: Kreiert faire Sport-Kleidung, die gut aussieht und qualitativ überzeugt. Nicht nur beim Yoga. Ansonsten mach ich´s 🙂

12 comments

  1. Toll, dass du darüber schreibst! Ich bin über Instagram auf deinem Blog gestoßen und denke selbst auch viel über das Thema nach – bei Sportklamotten schaffe ich es bislang immer wieder, das Thema Nachhaltigkeit und Fairen Handel auszublenden und ärgere mich darüber, weil ich das doch gar nicht möchte. Ich würde mich auch sehr über schöne, funktionale UND faire Sportklamotten freuen!! Und finde es auch krass, dass es bislang echt noch keinen Vorreiter gibt, der das Thema mal anstößt und Pionier Arbeit leistet!

    1. Hi liebe Nani,
      schön, dass Du mich gefunden hasat und danke für Deinen Kommentar. Vielleicht sollten wir zwei einfach mal die Sport-Industrie aufmischen und beweisen, dass es (hoffentlich!) auch anders geht 🙂

  2. Das ist ein echt interessanter Artikel und eine Frage, die ich mir schon oft gestellt habe. Da kommt man schon an seine Grenzen, wenn man auch was ordentliches haben will und herkömmliche Sportklamotten haben durchaus ihre Zeit gebraucht bis die guten Stücke wirklich so gut funktionsfähig sind wie sie es eben heute sind und wie Sportler sie wohl lieben.
    Wie hast du also bisher dieses Dilemma gelöst, das ist mir nicht ganz klar geworden? Lautet dein Kompromiss in diesem Bereich soweit noch: „bewusst“, aber nicht unbedingt faire Sportkleidung neu kaufen? D. h. nur das was du wirklich brauchst und nicht so viel (x Sporthosen und -oberteile und -BHs)?

    1. Genau, du sagst es! Ich kaufe mir neue Sport-Klamotten nur, wenn ich sie brauche, also zum Beispiel ein paar mehr Shirts zum Wechseln. Aber nicht „eben mal so und weil ich was Neues will“. Da schaue ich dann schon, ob es vielleicht ein Siegel hat, wie die Fair Wear Foundation oder ein grünes Siegel, das auf Nachhaltigkeit hinweist. Und dann habe ich eben noch ein paar alte Shirts, die ich auch hin und wieder mal anziehe – Sport ist ja für mich keine Fashion Show 😀

  3. haha, der letzte Satz hat mich zum schmunzeln gebracht. Ja bitte mach du es!

    1. Wir zwei zusammen? 🙂 Wir wären bestimmt ein super Team!

  4. Hallo Julia,

    ist doch total okay, es gibt eben (noch?) nicht in allen Bereichen was in grün zu finden. Funktionskleidung ist ein besonderer Bereich in der Mode, es ist deutlich einfacher Baumwoll-Yoga-Kleidung herzustellen. Dazu kommen die Materialien, Funktionsmaterialien sind meistens stark bearbeitet und bestehen aus Kunstfasern, damit lässt sich nicht so einfach nachhaltig produzieren. Dafür sind aber einige Outdoorhersteller (die ja auch Sportbekleidung anbieten) in der Fair Wear Foundation, das ist doch schon mal was, danach würde ich mich richten und dann gibt es ja auch noch die Detox Kampagne von Greenpeace, da machen auch einige mit.
    Ich habe mir letztens einen Bikini aus recycelten Materialien bei Patagonia bestellt, ehrlich gesagt, das würde ich auch nicht mehr machen. Hohe Versandtkosten, hohe Kosten bei der Rücksendung (musste natürlich auch auf Auswahl bestellen) und dafür wird dann ein Bikini durch die Gegend gefahren. Und letzendlich ist der Bikini sogar nur ein Kompromiss, da ich nicht mal finde, dass er für mich besonders vorteilhaft wäre.
    Um das jetzt mal aus einer anderen Sicht zu sehen: wenn von 100 Teilen in deinem Kleiderschrank 20 nicht nachhaltig sind, dann sind es die restlichen 80% trotzdem noch und damit hast du auch schon einen riesen Beitrag geleistet.
    Eine andere Idee wäre übrigens, auf den Berg einfach ein zweites Baumwoll T-Shirt mitzunehmen und notfalls zu wechseln. Ich trage meine alten Shirts auch für so was auf, mache allerdings keinen krassen Aktiv-Sport, eher Outdoor Aktivitäten wobei Soft-Shell- und Regenjacke auch nicht fehlen dürfen.
    Liebe Grüße
    Mari

    1. Hi liebe Mari,
      danke für Deinen langen Kommentar und dass Du dir die Zeit zum Lesen & Kommentieren genommen hast. Du hast natürlich recht mit dem, was du zum Thema „Funktionskleidung“ sagst – die ist wirklich um Einiges komplizierter herzustellen als ein Baumwoll-Shirt. Und das dann auch noch nachhaltig und / oder fair herzustellen, ist wohl tatsächlich eine ziemlich Herauforderung. Ich bin aber gespannt, ob und was sich da noch so tut in den nächsten Jahren.
      Und das mit der „anderen Sicht“ habe ich in den letzten zwei Jahren auch so langsam gelernt: Es bringt nichts, wenn ich über die 20% nicht nachhaltigen Klamotten grüble – stattdessen freue ich mich jetzt eher, dass ich schon so viel faire und nachhaltige Kleidung besitze. Es ist immer Ansichtssache! 😀

      Alles Liebe
      Julia

  5. „Nur, weil ich auf meinen Plastikverbrauch achte, faire Kleidung kaufe, vegetarisch esse und mir Nachhaltigkeit und der Schutz unseres Planeten sehr am Herzen liege, heißt das doch nicht, dass ich nur „Shanti, shanti, om“ – singend durch die Welt tanze.“ Ich musste so lachen! Tatsächlich habe ich das Glück, dass das mein einziger regelmäßiger Sport ist, aber spätestens beim Campen und bei der Island-Reise wäre ich auch an meine Grenzen gestoßen, hätte ich nicht noch alte Sachen von Schöffel und Co gehabt. Die Wanderschuhe habe ich Second Hand über Kleiderkreisel geholt, aber das geht natürlich auch nur mit Glück gut.. .
    xx

    1. Liebe Sabine,
      danke für Deinen Kommentar. Ich verrate Dir was: Du bist eine ganz große Inspiration für mich, weil Du so eine besondere und erfrischende „Schreibe“ hast. Und deswegen schreibe ich jetzt auch mehr und mehr so, „wie mir der Schnabel gewachsen ist“ – und wenn ich damit auch noch Leute zum Lachen bringen kann, umso besser!
      Das Schöne an Schöffel & Co ist ja, dass sie dann auch wirklich lang halten und man sich nicht jedes Jahr neue Wanderschuhe kaufen muss.

      Ich schicke Dir ganz viele liebe Grüße nach Hamburg 🙂

  6. Das Problem kenne ich nur zu gut. Im Yoga Bereich hat man wirklich keine Probleme was faire Mode angeht, aber ich will ja auch joggen gehen und beim Crossfit schwitzen. Vor allem Sport BHs sind für mich das größte Problem.
    Ich bin gespannt, ob sich bald etwas in der Richtung finden lässt, in anderen Bereichen tut sich ja auch immer mehr.
    Liebe Grüße
    Saskia

    1. Hi Saskia,
      ich bin beruhigt, dass ich nicht die einzige ratlose Sportlerin bin. Stimmt, ein richtig gut passender Sport-BH ist ja auch schon so eine Herausforderung 🙂 Es tut sich in dieser Branche bestimmt noch Einiges – zumindest hoffe ich das!

      Liebe Grüße
      Julia

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