Alles – aber kein Fast Fashion mehr!

Ein Plädoyer für Fast-Fashion-Alternativen, die nicht unbedingt fair sein müssen, ein paar Worte zu Rana Plaza und was das alles mit meinem damaligen Job als Werkstudentin zu tun hat – jetzt, hier!

Am 24. April 2013 ist das Rana Plaza eingestürzt. Das Rana Plaza war ein riesiges Beton-Gebäude in Bangladesch, in dem Näher (und vor allem Näherinnen, let´s face it!) Kleidung genäht haben für Marken wie H&M, Primark und Zara. Tausende von Textilarbeiterinnen wurden unter den herabfallenden Bauteilen begraben, von ihnen erschlagen und getötet. Ich weiß noch, wie ich die Berichterstattung über das Unglück im Fernsehen mitverfolgt habe und wie bestürzt, erschrocken, aufgerüttelt ich war. Ich bin ehrlich: Dieses Gefühl hielt nicht lang. Recht bald danach habe ich wieder munter bei den großen Ketten eingekauft, als wäre nichts gewesen.

Vor ungefähr zwei Jahren dann habe ich Blogs, Shops, Marken und Filme entdeckt, die Rana Plaza, die toten Näherinnen, die schrecklichen Arbeitsverhältnisse nicht vergessen lassen und faire und nachhaltige Alternativen bieten. Aber manchmal vergisst (oder verdrängt) man all die Fakten und Hintergründe eben auch. Wenn es zum Beispiel bei Zara so hübsche Sommerblüschen gäbe und all die fairen Marken so gar nichts verkaufen, was mir gefallen würde. Und dann? Einfach mal zu Zara hüpfen, beide Gewissens-Augen zudrücken und einfach kaufen?

Nope, nein, is´ nicht. Wegen einer Tatsache, die für mich sowas wie eine mini-kleine Erleuchtung war, dass ich euch davon erzählen will. Ich hatte eben gerade die Fair-Fashion-Welt für mich entdeckt, aber ein dünnes Top gebraucht und auf die Schnelle nichts fair Produziertes gefunden. Bei Forever21 fündig geworden, das Teil hat 2€ gekostet. Zuhause ist es mir dann gedämmert: „Wie kann das sein?“ Angenommen und ganz simpel gedacht, eine Näherin näht ein solches Top in einer oder zwei Stunden, dann wäre ihr Stundenlohn 1-2€. Es geht aber noch Geld weg für die Produktion des Stoffes, die Vermarktung des Produktes und für den eigentlichen Gewinn des Unternehmens. Die Textilarbeiter in Bangladesch verdienen also ungefähr 1€. Aber am Tag. Ich habe damals als Werkstudentin über 10€ verdient. In der Stunde. Als Studentin, die sich für die Rechte der Frauen, Gleichberechtigung und Feminismus einsetzt, habe ich Shirts von H&M, Zara und Co getragen und einen kleinen und traurigen Teil dazu beigetragen, dass junge Frauen und Männer durch Knebelverträge ausgebeutet, unterdrückt und gequält werden.

Merkt ihr was: Das darf und kann einfach nicht sein!

Wir müssen weg kommen von Fast Fashion und uns Alternativen überlegen, jeder für sich. Das muss nicht Fair Fashion sein. Manche verzichten dann eben auf das neue fancy Shirt aus der Spät-Frühling-Früh-Sommer-Kollektion. Andere entscheiden sich für Fair Fashion und wieder andere finden ein noch viel cooleres Shirt im Second-Hand-Laden. Aber „Gefällt mir nicht!“, „Ist mir zu teuer!“, „Was für ein Aufwand!“ sind Ausreden, die wir angesichts der nach wie vor veheerenden Umstände nicht gelten lassen dürfen. Klar, die Alternativen sind manchmal nervig, manchmal aufwändig zu finden, hin und wieder mit Kompromissen und etwas mehr Geld verbunden. Aber es hat auch nie jemand gesagt, dass es einfach sein wird.

One comment

  1. Ich glaube, der letzte Satz beschreibt wohl eine sehr wichtige Tatsache, die wir täglich vergessen. Wir haben wohl den Luxus, uns das Leben einfach zu machen.

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