Freitags-Fragen mit…

Florian von ThokkThokk. Zuerst sind mir die coolen und außergewöhnlichen Prints auf den Shirts aufgefallen. Als ich dann noch heraus gefunden habe, dass das Team von ThokkThokk in München sitzt, war mir sofort klar: Die brauche ich für meine Freitags-Fragen.

Florian hat sich sofort bereit erklärt, mir all meine Fragen zu beantworten und ich war ganz erstaunt und positiv überrascht, dass ich nicht einsilbige Floskeln, sondern einen halben Roman voller interessanter Antworten zurück bekommen habe. Und wieder einmal war und bin ich sehr dankbar für diesen tollen und freundlichen Austausch von grünen Bloggern und grünen Marken. Mehr davon, bitte…

1. ThokkThokk – ein Künstlerkolletiv? Wer steckt hinter der Gründung und der Marke ThokkThokk?
Gründer der Marke ist VFX Johow, Vinzenz hat nach seiner Ausbildung als Schreiner und Möbelbauer begonnen, seine Leidenschaft für Design vom Holz auf verschiedene Werkstoffe zu übertragen, ganz besonders auch mit Textilien. Angespornt durch diese Experimente entstand 2006 die Idee eines eigenen Labels, und so wurde ThokkThokk „geboren“. Aktuell sind wir ein Team von 6 Leuten die sich um das Design, dies Druckerei und die Abläufe hinter dem Label kümmern.
Ein Künstlerkollektiv sind wir dabei jedoch nicht, wir arbeiten teilweise mit verschiedenen Künstlerinnen und Künstlern aus der ganzen Welt zusammen, überwiegend kommen die Designs und Motive jedoch von unserer Designerin Simone.

2. Viele Produktionsschritte werden von euch in Handarbeit in München vorgenommen, beschreibt ihr. Welche Schritte genau? Bedruckt ihr die T-Shirts selbst?
Die ersten Schritte eines jeden Shirts und Designs beginnen in München. Um die Schnitte und auch die meisten Motive kümmert sich unsere Designerin Simone hier in München. Sie näht die Prototypen, wählt die Druckfarben und wir probieren im Druck neue Motive aus. Diesen führen wir größenteils auch in unserer Werkstadt vor Ort aus. Wir arbeiten hier mit händischem Siebdruck und Digitaldruck, um unsere Motive auf unsere Shirts und Sweater zu bringen. Für einige Ideen muss der Stoff jedoch vor dem Schneidern bedruckt werden, hier arbeiten wir mit der Druckerei unserer Produktionspartner in Indien zusammen. Da ThokkThokk für uns aber auch für eine Kombination aus Handwerk und Design steht werden wir auch weiterhin einen Großteil der Shirts hier in München bedrucken.

3. Welche Schritte in der Produktion müsst ihr auslagern? Wer näht eure Kleidung und wo?
Wie bereits erwähnt machen wir die Entwürfe der Schnitt und die Textildesigns hier in München. Die Produktion findet dann überwiegend bei Partnern in Indien statt. Wir versuchen uns hier auf ausgewählte Partner zu beschränken, um einen guten Überblick über die Bedingungen zu haben. Dabei gibt es natürlich Betriebe, die andere Schwerpunkte haben und sich auf verschiedene Produktgruppen spezialisiert haben. Wir sind hier aber nicht ausschließlich auf eine Produktion in Indien fixiert, wir freuen uns über Kontakte in der ganzen Welt und so haben wir schon eine lange Zusammenarbeit mit einem kleinen Familienbetrieb in der Tschechischen Republik, die einen Teil unserer Socken produzieren.

4. Welches Gehalt erhalten die Näher und Näherinnen?
Dies unterscheidet sich innerhalb der Betriebsstruktur unserer Partner und auch nach Ausbildung und Betriebszugehörigkeit der Arbeiter und Arbeiterinnen. Mindeststandards wie die ILO Arbeitsnormen sind für uns dabei jedoch absolute Mindestbedingungen so dass die Näher und Näherinnen auf jeden Fall in der Lage sind ihre Grundbedürfnisse mit ihrem Einkommen befriedigen können. Dies ist für uns wie erwähnt jedoch die Mindestanforderung und darüber hinaus ist es uns wichtig, dass nicht nur der nationale Mindestlohn gezahlt wird, sondern Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen von ihrem Lohn ein gutes Leben führen können. Darüber hinaus ist uns auch das Engagement unserer Produzenten über die Bezahlung hinaus wie z.B. bei der Unterstützung der Bildung der Kinder oder die Art der Energiegewinnung wichtig.

5. Was inspiriert euch zu euren Designs? Immerhin stolpere ich immer wieder über tolle und einzigartige Muster, wenn ich z.B. im DearGoods nach neuen Shirts stöbere.
Wir lassen uns durch alles Mögliche inspirieren, das dann auf die große Shirtfläche übertragen wird. Das kann zum Beispiel ein Bild von einem Jugendstilhaus sein, ein altes Foto oder eine Verzierung auf einer Kaffeekanne. Beim Arbeiten mit einer Ausgangsidee entsteht dann oft etwas völlig Neues, Unerwartetes. Der Großteil der Printmotive entsteht am Rechner, manche sind handgezeichnet. Darüber hinaus stolpern wir auch immer wieder über andere DesignerInnen und IllustratorInnen, deren Arbeit uns gut gefällt und diese kommen auf uns zu. So entsteht oft eine wunderbare Zusammenarbeit und schöne neue Motive.

6. Eure Stoffe kommen aus der Türkei und aus Indien. Auf welche Siegel legt ihr Wert? Welche habt ihr?
Aktuell kommt all unsere Baumwolle aus Indien. Das Fairtrade und GOTS-Siegel gehören hier in der Regel für uns aktuell zu den Mindeststandards für die Stoffe wir auch die Produktion. Die einzige Ausnahme bildet hier unser Partner in Tschechien, aufgrund der Betriebsgröße ist eine Zertifizierung nicht realistisch. Hier steht dann der persönliche Kontakt mit dem Produzenten und die Zertifizierung (aktuell GOTS) der genutzten Rohstoffe im Fokus.

7. Reist ihr auch selbst manchmal an die Produktionsstätten der Stoffe, um die Zustände vor Ort zu prüfen?
Auf jeden Fall. Als kleines Team sind unsere zeitlichen Ressourcen natürlich etwas beschränkt, aber ein persönlicher Kontakt und Besuche sind durch ein Siegel nicht zu ersetzen.

8. Worauf legt ihr bei eurer Marke am meisten Wert? Bio-Baumwolle? Faire Bezahlung eurer Mitarbeiter? Siegel bzw. noch bessere Transparenz? Nachhaltige Transportwege?
Das geht bei uns eigentlich Hand in Hand. Bio-Baumwolle und eine faire Produktion stehen für uns aktuell in Kombination im Mittelpunkt. In Zukunft werden wir aber auch schauen was abseits von Baumwolle noch an Rohstoffen möglich ist. Auch die Prozesse um die Produktion unserer Produkte wie z.B. die Transportwege sind für uns wichtig. Dabei steht man immer im Spagat zwischen dem, was man selbst gerne hätte und inwiefern die Umsetzbarkeit in den täglichen Abläufen durch Vorgaben überhaupt möglich ist. Wir versuchen hier aber immer in kleinen Schritt voran zu kommen, wie z.B. die GOTS-Zertifizierung durch die Soil Association für unsere Strukturen und die unseres Logistikpartners hier in Deutschland. Aktuelle Baustelle ist die Verpackung unserer Produkte, an der wir an Alternativen arbeiten – zu tun gibt es also immer etwas.

9. Was sind eure Pläne für die Zukunft? Wo wollt ihr noch besser werden?
Klar, stehen zu bleiben kommt für uns nicht in Frage. Wie bereits erwähnt finden wir Alternativen zur Baumwolle auf jeden Fall sehr spannend und werden hier etwas mit neuen Fasern experimentieren. Neue Produkte und Schnitte sind für uns wie auch in den letzten Jahren ein Thema und Simone unsere Designerin hat einen ganzen Kopf voller neuer Ideen, es bleibt auf jeden Fall spannend.

10. Habt ihr ein absolutes Lieblings-Design? Wenn ja: Zeigen!
Wir lassen hier stellvertretend unseren Lieblings-Praktikanten Manu zu Wort kommen: „Mein absolutes Lieblingsdeisgn ist das Nightsky auf Schwarz.“

Und damit vielen Dank an Florian und Manu für eure Zeit und ich bin schon sehr gespannt auf eure weiteren Projekte, Designs und Produkte!

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