Warum du deine Vorsätze vergessen solltest

2016 ist vorüber und der erste Blog Post im neuen Jahr 2017 steht an. Statt einer emotionalen Zusammenfassung des letzten Jahres habe ich mir zum Phänomen „Vorsätze“ ein paar Gedanken gemacht und wenn ich mich kurz fassen müsste, dann wäre meine Meinung dazu: „Vergiss. Die. Vorsätze!“ Aber lest selbst, warum ich von Vorsätzen so wenig halte.

Das Ende und der Beginn eines Jahres sind definitiv prädestiniert für ein paar Gefühlsduseleien und ich bin davor auch nicht gefeit. Ich erinnere mich gerade in dieser Zeit so gern daran, was ich vor einem Jahr mit Unsicherheit, aber auch viel Zuversicht, gesagt habe: „2016 wird spannend. Ich werde mein Studium beenden, allein durch Asien reisen und meinen ersten Vollzeit-Job beginnen.“ Ja, so kam es auch und es fühlt sich jetzt verrückt an, auf dieses spannende, abwechslungsreiche Jahr zurück zu blicken. Zu erkennen, wie viel Unverhergesehenes passiert ist, wie viele Leute ich kennen gelernt habe, aber auch welche sicheren Konstanten mich begleitet haben. Mit diesem warmen Gefühl wende ich mich also so langsam dem neuen Jahr zu und frage mich wieder: „Was wird wohl nächstes Jahr passieren?

Was bei diesen Gedankenspielen aber keinen Platz hat, sind gute Vorsätze. Die habe ich zum letzten Mal in der Pubertät gefasst, weil ich dachte, das ist irgendwie cool und erwachsen. Die Klassiker wie Abnehmen, gesünder essen oder mehr Sport machen kennt man. Wenig überrascht hat mich aber bei meiner Recherche, dass seit ein paar Jahren auch Vorsätze wie „Weniger Stress“, „Mehr Zeit mit der Familie“, „Weniger Zeit am Handy“ ganz hoch im Kurs sind. All diese Vorsätze werden dann pünklich am 1.1. umgesetzt, oder?

Das klang für mich schon immer ziemlich unrealistisch. Den Tag nach Silvester verbinde ich eher mit Katerstimmung und Januar-Blues als mit joggen, Clean Eating oder was sonst noch so auf der Vorsatz-Liste steht. Und selbst wenn die guten Vorsätze pünktlich zum Jahresbeginn umgesetzt werden – was passiert davor? „Okay, ab 1.1. viel Gemüse und Obst, aber bis dahin stopfe ich Süßkram in mich hinein, als gäbe es kein morgen!“ oder „Freunde und Familie, ich nehme mir im nächsten Jahr viel Zeit  für euch. Aber lasst mich bis dahin bloß in Ruhe, ich muss noch Instagram, Snapchat und Twitter checken!“. Dieser Plan mit den Vorsätzen, ihr merkt es, geht für mich nicht auf.

Deshalb schlage ich vor: Du willst etwas ändern? Dann ändere es jetzt. Sofort! Du willst deinen Kleiderschrank reduzieren? Prima, dann mach ihn auf, leg alles auf dein Bett und miste mal gründlich aus. Das muss keine Tages-Aufgabe sein, in 30 Minuten kannst du schon Einiges schaffen. Du willst mehr Sport machen? Dann zieh jetzt deine Socken aus, dehn dich ein bisschen oder mach ein paar Yoga-Übungen. Geh eine minikleine Runde laufen oder fahr mit dem Fahrrad durch die Gegend und genieße die kalte Winterluft. Du willst mehr Zeit mit deinen Lieben verbringen? Dann mach gleich Termine zum Kaffeetrinken aus und ruf doch mal wieder deine Oma, Eltern oder Geschwister an. Du willst dich gesünder ernähren? Dann verbanne die Süßigkeiten und mach dir einen leckeren Obstsalat. Und, und, und…

Die größten Projekte und Wege können wir meistern, wir müssen nur den ersten Schritt gehen. Auf den ersten Schritt folgt der nächste kleine und dann noch einer, bis wir die Mammut-Aufgabe irgendwann geschafft haben. Dafür brauchen wir kein bestimmtes Datum, sondern einfach nur den Willen und vielleicht auch eine laute Ansage zu unserem Spiegelbild: „Jetzt geht´s los, ich mach das jetzt!“

Ich habe oder hatte auch zwei Wege, die ich aus dem Blauen heraus mit klitzekleinen Schritten begonnen habe. Der eine Weg ist meine zuckerfreie Ernährung. Ich hatte schon 2014 eine Zeit lang auf Zucker verzichtet, bin aber dann während meiner Masterarbeit wieder den Süßigkeiten verfallen. Bis ich mit jemandem essen war, der sich sehr streng gesund ernährt hat. Also so eine LowCarb-Massephase-Fettabbbau-Wasweißich-Fitnessernährung. Natürlich auch ohne Zucker. Und an diesem Tag im Juli dachte ich mir: „Warum esse ich eigentlich wieder Zucker? Ohne war´s doch auch super!“ Und nach dem Mittagessen war mein Entschluss gefasst und seitdem verzichte ich wieder auf Industriezucker, wo es nur geht.

Der andere Weg ist mein Fair-Fashion-Weg, der manchmal holprig ist und noch eine sehr lange Reise sein wird, aber es sind eben die kleinen Schritte. Irgendwann habe ich jedenfalls begonnen, mich mit Fair Fashion auseinander zu setzen, darüber zu lesen und Blogs gesucht und gefunden. Und auch für den Kauf meines ersten fair produzierten Kleidungsstücks hat es keinen 1.1. gebraucht, sondern nur den Willen zu einem bewussteren Konsum. Dieser „Shopping-Trip“ war dann übrigens ein riesiger Fail! Das Kleid von Grüne Erde war zwar grün und fair, letztlich aber auch echt hässlich. Natürlich ist mir das erst aufgefallen, nachdem sich meine Fair-Fashion-Euphorie gelegt hat. Aber solche Momente gehören eben auch zu unseren Wegen und Projekten und ich gehe diesen Weg einfach weiter, ohne Vorsätze, sondern mit Überzeugung.

Das Kleid werde ich übrigens wohl umschneidern lassen, damit ich es trotzdem anziehen kann. Und ja, vielleicht ist das sogar ein Vorsatz für 2017 🙂

In diesem Sinne wünsche ich euch ein spannendes, großartiges Jahr 2017 mit keinen Vorsätzen, dafür vielen ersten Schritten!

2 comments

  1. Ach, ich seh das nicht so eng. Bin ja selbst der größte Fan von umsetzbaren Vorsätzen und Jahreszielen. 😉 Ich brauche da einfach wahnsinnig viel Planung, damit ich für mich persönlich sicher gehen kann, dass die Dinge auch nachhaltig umsetzbar sind und ich nicht einfach so drauf los starte, ohne mir vorher Unmengen an Gedanken über den Weg zum Ziel zu erdenken. Mein liebster Startpunkt für große Vorhaben ist da einfach seit Ewigkeiten der Beginn des neuen Jahres. Psychologisch gesehen eigentlich eh total krass, aber hey, wenn’s funktioniert, warum damit aufhören. 🙂

    Aber du hast natürlich schon recht, wenn du sagst, dass man jederzeit damit beginnen kann und soll, wenn man es denn wirklich will. Ich finde deinen Artikel auf alle Fälle sehr durchdacht und schön geschrieben. (Aber ich mag ja so gut wie alle deine Artikel wahnsinnig gern. :)) Hoffe, dein Kleid wird so wie du es dir vorstellst – Hab einen entspannten Abend!

    Liebst, Tanja
    http://www.blattgruen.me

    1. Tanja, vielen Dank für deinen lieben Kommentar und ich freue mich sehr, dass du hier hin und wieder vorbei schaust.
      Wie du schon sagst: Wenn für dich der Beginn des neuen Jahres auch der Beginn für große Vorhaben sind – why not? An deiner Stelle würde ich auch dabei bleiben 🙂
      Letztlich ist es ja auch nicht wichtig, wann und wie wir die Dinge anpacken, sondern DASS wir damit starten. Ich wünsche dir für 2017 ganz viel Tatendrang und tolle Projekte.
      Viele Grüße
      Julia

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