Lies mal wieder ! | 3 Buch-Tipps

Die Zeit zwischen Weihnachten und Silvester fühlt sich irgendwie immer so an, als würde man zwischen den Seilen hängen. Die eine große „Feier“ ist vorbei, die nächste große Sause steht schon an, aber was macht man dazwischen? Gegen den After-Christmas-Blues habe ich was für euch: 3 Buch-Tipps, die euch die Zeit bis zu Silvester garantiert verschönern.

1.Haruki Murakami: 1Q84 (Erstes und zweites Buch). Irgendwo habe ich mal gelesen, dass es wie „Romeo und Julia“ ist, nur in modern. Stimmt auch ein bisschen, aber es ist so viel mehr. Es geht um Liebe, um zwei Welten und zwei Monde, die Welt der „Little People“, um die knallharte Aomame und den verträumten Tengo, aus deren Blickwinkel die Geschichte ausgerollt wird und darüber hinaus weitere skurrile Personen. Die Kapitel werden (zumindest im ersten Buch) jeweils von Aomame und Tengo erzählt und so beobachten wir über viele Seiten hinweg, wie sich die beiden Protagonisten ganz langsam aufeinander zu bewegen – natürlich mit einigen Hindernissen, Missverständnissen und Umwegen. In ein Genre einordnen lässt sich das Buch nicht, es ist ein Hybrid aus Liebesgeschichte und Krimi mit klarer Anspielung auf George Orwells „1984“.

Am meisten beeindruckt an 1Q84 hat mich Murakamis klare Sprache. Obwohl die Bücher dick und die Geschichten teilweise verworren sind, verwendet der Autor meiner Meinung nach nicht ein Wort zu viel. Die Geschichte ist weder zu karg noch zu verschwurbelt und hat mich mit  der präzisen Wortwahl total in seinen Bann gezogen. Übrigens so sehr, dass ich manchmal gedacht habe: „Moment mal, das könnte doch jetzt auch 2Q16 sein?“

harukimurakami

2. Michel Houellebecq: Karte und Gebiet. Michel Houellebecq ist spätestens seit „Unterwerfung“ jedem irgendwie so ein bisschen als Enfant terrible bekannt und die Meinungen reichen von rassistischem Autist über pessimistischen Narzisst bis hin zu frauenfeindlichem Sexist – viel Gutes ist nicht dabei. Dabei lohnt es sich doch so sehr, „Karte und Gebiet“ zu lesen. Das Buch habe ich mir übrigens nicht wegen der Handlung gekauft (die war mir sogar ziemlich egal), sondern weil ich mal was von Houellebecq lesen wollte und dieses Buch den höchsten Literaturpreis Frankreichs gewonnen hat. Kann also nicht so schlecht sein, dachte ich. Und ich wurde nicht enttäuscht! Kurz zur Handlung: Es geht um den Künstler Jed Martin und seinen Weg zum Erfolg mit unterschiedlichen Kunst-Projekten wie dem Abmalen von Straßenkarten oder dem Zyklus „Serie einfacher Berufe“, der ungefähr auf dem Zenit seines Erfolgs den Schriftsteller Michel Houellebecq trifft.

Auch bei diesem Buch hat mich weniger der Inhalt, als vielmehr die Art und Weise, wie das Buch geschrieben wurde, begeistert. Obwohl Houellebecq sonst tatsächlich eher düster und pessimistisch schreibt, zieht sich in diesem Buch ein ganz feiner, subtiler Humor durch wie ein roter Faden. Diese Art von Ironie, bei der man nicht laut los lachen muss, aber hin und wieder belustigt gluckst und gar nicht mehr damit aufhören mag – wenn man nicht gerade in einer vollen U-Bahn säße!

lionfeuchtwanger

3. Lion Feuchtwanger: Die Geschwister Oppermann. Wenn ihr wissen wollt, wie es in München vor knapp 100 Jahren aussah, solltet ihr dieses Buch lesen. Und auch wegen der herrlich charmanten Münchner Mundart der Protagonisten, denn an die kommt kein, wirklich gar kein, Lokal-Kolorit-Schmöker von heute heran. „Die Geschwister Oppermann“ ist das zweite Buch der „Wartesaal“-Trilogie und handelt von der jüdischen Familie Oppermann, die mit der immer stärker werdenden NS-Bewegung und dem Antisemitismus Anfang der 1930er Jahre fertig werden muss. Feuchtwanger zeigt diese Entwickung an kleinen, alltäglichen Situationen, in denen die Familienmitglieder ausgegrenzt, benachteiligt oder degradiert werden. Durch diese genaue und detaillierte Beschreibung ist der Roman an manchen Stellen verwirrend, aber genau diese Feinheiten machen ihn letztlich so authentisch. Lion Feuchtwanger hat übrigens schon sehr früh, nämlich um 1920, die von Hitler und der NSDAP erkannt und davor in satirischen Texten gewarnt.

Beim Schreiben ist mir aufgefallen, dass ich keines der Bücher explizit allein wegen des Inhalts empfehlen würde. Sondern als Gesamtpaket, wegen der skurrilen Protagonisten oder der bemerkenswerten Schreibweise des Autors. Aber das sind ja letztlich auch die Bücher, die im Gedächtnis bleiben. Oder?

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