Before the Flood und das Nörgel-Phänomen

Als ich erfahren habe, dass sich Leonardo DiCaprio in Zusammenarbeit mit National Geographic in dem Film Before the Flood mit Umweltschutz, Klimawandel und Nachhaltigkeit beschäftigt, war mein erster Gedanke: „Woah, wie cool!!!“ Und dann schlich sich ein zweiter Gedanke ein und es war kein positiver.

Um genau zu sein, beschlich mich dieses Gefühl, als Leonardo auf seiner Umweltschutz-Expedition mit dem Helikopter an die entlegensten Orte der Welt fliegt und spätestens dann, als der Titanic-Schmusi-Star auf einer Eisscholle steht und mit einem filmreich hingehauchten „Wow“ die Wale bestaunt. „Alles klar“, dachte ich, „was für eine gigantische PR-Nummer!“

Es ist auch ziemlich einfach, Kritikpunkte an Before the Flood, und vor allem dem Protagonisten, zu finden: Leonardo diCaprio hinterlässt vermutlich einen immensen ökologischen Fußabdruck schon allein wegen der Filmszenen im Helikopter, in denen er über Ölfelder, das „ewige“ Eis und die abgeholzten Regenwälder fliegt. Und klar ist vermutlich auch, dass er zur Weltklimakonferenz in Paris, zu seiner Privataudienz bei Papst Franziskus und zu Barack Obama nicht mit dem Fahrrad fährt! Und überhaupt, so habe ich mich gefragt, wieso steht denn ständig ER im Mittelpunkt, der ewige Superstar?

Bis ich mir eine ganz andere Frage gestellt habe: WOHER KOMMT DIESES NÖRGELN?

Da sind Leute, die sich Gedanken machen um die Natur, die Umwelt, um Nachhaltigkeit, einen grüneren Planeten und wie sie einen Teil dazu beitragen können. Und sie werden angenörgelt, schlecht gemacht, demotiviert und beschimpft. Das beste (nein, eigentlich traurigste!) mir bekannte Beispiel ist DariaDaria, die einen verdammt guten Job in Sachen Nachhaltigkeit und Veganismus macht, dann aber wieder und wieder kritisiert wird, sie würde zu viel fliegen und dieses EINE Teil ihres Outfits sei nicht fair produziert. Alle anderen Bemühungen, der Schweiß und die Tränen? Egal, vergessen! Warum ist das so?

Selbst ich habe das schon erlebt. Es ging um meine vegetarische Ernährung und während das andere Mädchen genüsslich ihren Schweinebraten verdrückt, fragt sie mich, warum ich denn immer noch Lederschuhe trage? Sie fände das nicht besonders konsequent. Meine Anmerkungen, dass meine Tasche vegan und aus recycleten Plastik-Flaschen ist und ich mit dem Vegetarismus wenigstens Schritte in die richtige Richtung mache, gingen unter. Warum dieses Nörgeln? Warum können wir nicht anerkennen, wenn jemand einen kleinen Teil zu einer besseren Welt beiträgt? Ist es Bequemlichkeit, damit man sich nicht eingestehen muss, dass man selbst mal was machen könnte?

Ist es die „heutige Empörungskultur der Wohlstandswestler“, von der die FAZ spricht?

Das Dilemma rund um Before the Flood beschreibt der Artikel ganz gut: „(…) dass DiCaprio ein echtes Anliegen hat und nicht nur eine Show abziehen will – dass er aber, um sein Anliegen an die Öffentlichkeit zu bringen, auf ebenjenen Show-Faktor seiner Berühmtheit bauen muss.“ Sprich: Wenn du die Massen auf etwas aufmerksam machen willst, brauchst du auch massentaugliche Medien, damit deine Botschaft ankommt.

Und das macht diese Sammlung von recht kühlen Fakten meiner Meinung nach angreifbar für einfach gestrickte und unreflektierte Kritik, die so schnell umschlagen kann in hitzige Meinung(smache), engstirnige Anfeindungen und Ablehnung. Man könnte am Ende des Tages doch einfach mal nur anerkennen, dass hier jemand aktiv wird auf dem Weg zu einer grüneren Welt. Warum?

Ich frage mich das so oft und habe leider immer noch keine Antwort darauf gefunden.

Kennt ihr dieses Nörgel-Phänomen? Wart ihr selbst schon mal damit konfrontiert? Oder habt ihr euch selbst ertappt, wie ihr euch viel lieber empört habt als das Gute zu sehen?

Den Artikel der Frankfurter Allgemeinen Zeitung könnt ihr hier lesen.

 

2 comments

  1. Super Beitrag!!!
    Hab mich beim Lesen so über die Nörgelei geärgert. Und dann kam zum Glück die Auflösung, dass es Ihnen selbst aufgefallen ist.
    Find ich gut, wenn man sich selbst reflektieren kann.

    1. Danke, liebe Jelena und ja, hin und wieder mal reflektieren schadet nicht! 🙂

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