Freitags-Fragen mit …

Sarah von Good for Nature. Wir haben uns beim Green Blogger MeetUp kennen gelernt und beim Thema „Naturkosmetik“ wurde ich hellhörig.

Bei diesem Thema stehe ich nämlich noch ganz am Anfang und fände es natürlich großartig, wenn ich nach und nach meine konventionelle Kosmetik durch nachhaltigere Alternativen ersetzen kann. Und nachdem ich gleich ein paar Tipps und Produktempfehlungen bekommen habe, wusste ich: Von Sarah will ich noch Einiges rund um das Thema Naturkosmetik wissen!

Wie bist du zur Naturkosmetik gekommen?
Als Biologin habe ich eine angeborene Neugier, was das Herausfinden von Wahrheiten betrifft. Im Labor arbeite ich daran, bestimmte Fragestellungen sachlich und objektiv anzugehen und mit Experimenten zu erforschen. Privat bin ich ebenso neugierig und versuche durch Recherche und selbstverständlich auch Tests an mir selber mein Wissen auszubauen, um mich nicht von irgendwelchen Aussagen hinters Licht führen zu lassen. Die Subjektivität lasse ich mir bei meinen Produkttests allerdings nicht nehmen, und daher ist alles hier nur meine persönliche Meinung. Was bei mir wirkt, muss nicht bei jedem wirken. Ich kann Euch aber vielleicht langwieriges Recherchieren und Ausprobieren ein wenig ersparen 😉

Über die App Codecheck.info (auch als Website verfügbar) bin ich langsam den guten und weniger guten Inhaltsstoffen auf die Spur gekommen. Dort ist alles (jedoch nicht immer 100% verlässlich, da jeder mitwirken kann) was hormonell wirken kann, Allergien auslösen kann, Palmöl enthält, etc. aufgelistet. Und das Beste? Es werden „grünere“ Alternativen angezeigt. Zusammen mit dem Start eines Instagram-Accounts bin ich dann ganz schnell in die „Green Beauty Welt“ eingetaucht – und darüber bin ich so froh!

Vegan, Tierversuchsfrei, ohne Alkohol und wie sieht es überhaupt mit Glyzerin aus? Menschen bewerten Kosmetik unterschiedlich, je nachdem, was ihnen wichtig ist. Wie sieht es bei dir aus?Was muss Pflege und Schminke auf jeden Fall leisten können?
Mir persönlich ist bei Kosmetik wichtig, dass so viel Prozent der Inhaltsstoffe wie möglich aus kontrolliert biologischem Anbau stammen. Das verhindert nicht nur, dass Pestizide und sonstige synthetische Stoffe auf meine Haut gelangen, sondern auch, dass diese überhaupt verwendet werden. Damit ist auch der Umwelt ein großer Gefallen getan – und damit wiederum uns.

Auf keinen Fall enthalten sein dürfen: Parabene (hormonell wirksam), PEG (macht die Haut durchlässiger für fremde Substanzen, auch für giftige!), Erdöl (schlecht-)gekennzeichnet als unter Anderem als Parrafinum Liquidum, Parrafin oderPetrolatum und ist übrigens in viel mehr Produkten, als man glauben mag. Am besten auch kein Parfum, denn hinter diesem Begriff kann alles stecken. Dass ein Produkt heutzutage ohne Tierversuche auskommen muss, ist für mich klar. Wenn es vegan ist, ist das ein Pluspunkt. Glyzerin wird in kosmetische Formulaturen eingebaut, um Wasser zu binden und damit feuchtigkeitsspendend zu wirken. Es kann synthetisch, tierisch und pflanzlich hergestellt werden – da diese Information aber nicht auf der Packung gegeben ist, muss ich diesen Inhaltsstoff nicht unbedingt in meiner Kosmetik haben.

Nach welchen Siegeln kann ich mich richten, auf welche Inhaltsstoffe muss ich achten?
Ganz besonders vertrauensvoll und soweit ich weiß das höchste Siegel, das man erhalten kann, ist das Demeter Siegel. Dieses kommt auf Nahrungsmittel und Kosmetik, die sehr strenge Richtlinien einhalten und den höchsten Anteil biologisch angebauter Inhaltsstoffe im Vergleich zu anderen Siegeln haben. Martina Gebhardt ist zum Beispiel damit ausgezeichnet. Die Höfe, die Demeter-zertifiziert sind, leisten einen wichtigen Beitrag zum Schutz der Umwelt.

Ebenfalls recht streng und vertrauenswürdig sind die Siegel Natrue und BDIH, diese sind allerdings schon auf sehr vielen Produkten drauf und man kann nicht erwarten, dass alle Inhaltsstoffe bio sind. Es gibt bei Natrue zum Beispiel drei Abstufungen der Zertifizierung. Die jeweilige Stufe, die das Produkt erreicht hat, ist allerdings nicht auf dem Produkt ausgewiesen. Daher sollte man immer selber ein Auge auf die INCI Liste mit allen Inhaltsstoffen haben und sich über diese informieren. Auf meinem Blog findet man unter dem Such-Begriff Nature oder BDIH alle Informationen.

Bei Naturkosmetik denke ich (leider) immer noch an verlaufene Wimperntusche, die einfach nicht hält. Ist es schwer für dich, geeignete Produkte zu finden? Wenn ja, welche?
Am Anfang war es natürlich schwer, sich in dem Dschungel aus grünen und vermeintlich grünen Produkten zurecht zu finden. Als erstes sollte man sich aneignen, die INCI Liste halbwegs lesen und nach ungesunden Inhaltsstoffen filtern zu können. Als ich das einigermaßen beherrschte, wusste ich, welche Produkte/Marken ich direkt außen vor lassen kann. Zu Beginn habe ich natürlich für meine Kosmetik nicht mehr Geld ausgeben wollen als zuvor, also habe ich mich im Drogeriemarkt umgeschaut. Zu dieser Zeit war das Naturkosmetik-Angebot noch recht beschränkt, mittlerweile werden die entsprechenden Regale immer größer. Mit alverde (auch Natrue zertifiziert) und einem Besuch im Lush Store hat es dann bei mir angefangen. Beides nutze ich mittlerweile aus verschiedenen Gründen nicht mehr.

Unter anderem, weil ich jetzt auch bereit bin, für Qualität und Nachhaltigkeit viel mehr Geld auszugeben als früher für konventionelle Kosmetik, da ich nicht nur die Marke, sondern auch das Ideal dahinter unterstütze. Am schwierigsten war für mich die Suche nach einer geeigneten Mascara, mittlerweile habe ich ein Exemplar gefunden, das nicht nur geeignet ist, sondern mich regelrecht umgehauen hat: die Maracuja Oil Mascara: Black Tea von 100%Pure!

Nenne mir deine ultimativen Lieblingsmarken und Produkte, die definitiv besser sind als die konventionellen Äquivalente. Und warum sind sie besser (weil vegan, ohne Tierversuche, ohne umweltschädliche Stoffe)?
In meinen Augen ist ALLES  besser als konventionelle Kosmetik, wenn es ein wenig nachhaltiger und transparenter ist. Sagen wir mal, du hast ein konventionelles Produkt auf Mineralöl-Basis (z.B. die Nivea Soft Creme), das zwar aufgrund der Schicht, die es über deine Haut legt, nach außen einen sofortigen glättenden Effekt hat. Ansonsten hat es aber keinerlei pflegende, schützende Eigenschaften. Und dann wechselst du zu einem Naturkosmetik-Produkt, das aus reinen Pflanzenölen besteht. Diese ziehen in die Haut ein und wirken von innen. Allerdings brauchen diese Stoffe ihre Zeit, sodass nicht dieser Sofort-Effekt zu sehen ist. Deshalb braucht man etwas Geduld, aber dann bekommt man so viele positive Effekte, die man mit einem Erdöl-Produkt möglicherweise nicht bekommen hätte.

Was nützt jetzt der schöne Schein (der nach der Reinigung eh wieder verschwunden ist), wenn ich später mit Falten übersät und krank bin. Da setze ich lieber auf kontinuierliche, natürliche Pflege, die die Haut geschmeidig, elastisch, gut mit Feuchtigkeit versorgt hält und habe jetzt und später weniger (Gesundheits-)Sorgen – und weniger Falten 😉

Ich habe keine festen Lieblingsmarken, jedoch hüpft mein Herz bei den folgenden Marken immer deutlich höher: Santaverde, Less is More, Apoterra, S.W.Basics, 100%Pure.

Für alle (also auch für mich), die allmählich umsteigen wollen: Kannst du deine liebsten Basics verraten?
Basics sind für mich unverzichtbare Produkte, die die Grundlage bilden und auf denen man aufbauen kann. Natürlich sind sie nicht wirklich unverzichtbar; ein paar Tage zwischendurch ganz ohne Schminke sollten die Regel werden. Aber wenn ich etwas regelmäßig benutze, dann ist das mein Concealer, ein Lippenbalsam, mein Bronzer und mein Rouge.

Warum? Weil ich damit schnell und einfach meinem Gesicht mehr Kontur und meinen Augen mehr Ausdrucksstärke geben kann. Ich bin seit Jahren unendlich verliebt in den Cream to Powder Concealer von alverde, den ich mit dem Ringfinger unter den Augen auftrage. Wenn ich nur ein Produkt verwenden dürfte: das wäre es. Mein Bronzer ist von Alterra, allerdings benutze ich diesen nur noch, weil ich keinen neuen kaufen möchte, solange ich diesen habe. Anderen Farben (dieser ist dunkel braun und heißt sun kissed) bin ich nicht abgeneigt. Ich trage ihn unter meinen Wangenknochen auf. Das Rouge ist ebenfalls wieder von alverde und haucht meiner Gesichtsfarbe ein weniger mehr Leben ein.

Ganz wichtig ist dann noch der Lippenbalsam, denn gepflegte Lippen sind für mich das A und O. Ich mag dabei allerdings keinen auffälligen Schimmer und es muss auch keine Farbe sein. Die Hurraw Lip Balms sind in vielen Duftrichtungen erhältlich und sehr minimalistisch gehalten, was die Inhaltstoffe angeht. Wer es etwas teuer mag, greift zum The Organic Pharmacy Lip Treatment. Der gute, alte alverde Calendula Lippenbalsam ist auch seit Jahren ein treuer Begleiter.

Am besten wechselt man bei einem Umstieg auf Naturkosmetik zuerst die Produkte, die man täglich verwendet, um so schnell wie möglich weniger ungesunde Stoffe auf die Haut aufzutragen. Das Allererste sollte die Feuchtigkeitspflege sein, denn dieser soll ja tief in die Haut eindringen und muss damit ganz besonders auf seine Inhaltsstoffe überprüft werden. Auch Produkte, die man nah am Auge oder auf den Lippen aufträgt, würde ich schnell umstellen. Und wenn man einmal damit anfängt und alle seine alten Produkte mit der Codecheck App gescannt hat, wird man von ganz alleine alles Weitere umstellen 🙂

Vielen Dank für all die hilfreichen Tipps und dass du dir die Zeit für meine Fragen genommen hast, liebe Sarah!

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