Minimalismus light und Nachhaltigkeit

Heute geht´s nicht nur um Nachhaltigkeit, sondern auch um Minimalismus. Ich sehe mich überhaupt nicht als Minimalistin, gar nicht. Aber Nachhaltigkeit liegt mir mehr und mehr am Herzen und da scheint es nur nahe zu liegen, sich zu reduzieren, nicht mehr so viel kaufen (nur um den Konsums willen!) und Qualität der Quantität vor zu ziehen. In manchen Bereichen meines Alltaglebens habe ich das schon ganz gut erreicht, in manchen (noch nicht). Aber will ich das überhaupt – 100% Minimalismus?

Zunächst einmal sei gesagt: JA, natürlich finde ich ein Leben mit nur dem, was ich zum Zufriedensein brauche, sehr erstrebenswert. Aber es ist eben ein Prozess und ein (manchmal sehr steiniger, man denke nur an die frühen Flohmarktaktionen!) Weg und ich habe eben in der Vergangenheit so Einiges angehäuft. Auf der anderen Seite behagt mir aktuell die Idee von einem 100%-igen Minimalismus nicht, der perfekten Capsule Wardrobe, die nur aus 30 Teilen besteht und reduzierter Wohnungseinrichtung. Mir geht es vielmehr um Nachhaltigkeit und verlängerte Wertschöpfungsketten, die mir den Spaß am Leben aber nicht nehmen. Und mit oben genannten Optionen würde ich mich wahrscheinlich so fühlen – das heißt aber nicht, dass ihr das genauso sehen müsst. Minimalismus kann glücklicherweise jeder für sich ganz individuell definieren!
Ich bin also vielleicht eine Halbtags-Minimalistin mit einem großen Herz für den nachhaltigen Gedanken des Reduzierens. Von manchen Dingen besitze ich eben gern das eine Ding mehr, was andere möglicherweise als „zu viel“ empfinden. Aber was gehört dazu? Und was will ich wirklich aufbrauchen, loswerden, reduzieren?

In letzter Zeit habe ich mir dazu ein paar Gedanken gemacht und teile in diesem Blogpost mit euch, in welchem Bereich meines Lebens ich wirklich (fast) nichts brauche und wo ich aber doch ganz gern eine Alternative besitze.

MINIMALISMUS? NEIN, DANKE! (…und bitte mit einem Augenzwinkern verstehen)

  • Kleidung. Auch wenn ich noch so viiiiiele Klamotten habe, bin ich zufrieden. Unnötigen Ballast habe ich verkauft, abgesehen von einem Basic-Shirt habe ich nichts mehr eingekauft und ich komme mit meinem Kleiderschrank momentan gut zurecht. Ich habe aber auch nichts dagegen, wenn ich beim nächsten Flohmarktbesuch nochmal ein bisschen mehr verkaufe 🙂
  • Schminke. Hach, sie macht mir einfach Spaß. Ich bewundere Menschen, die den EINEN Signature Look über Jahre hinweg haben – aber ich liebe das Spiel mit Make-Up und all die verschiedenen Looks, die man damit schminken kann. Deshalb ist meine Sammlung immer noch ziemlich groß, auch wenn ich davon einiges verkauft habe und auch in diesem Bereich nichts mehr kaufe.
  • Schmuck. Die meisten meiner Schmuckstücke sind Geschenke oder Erinnerungen von Reisen, die ich mit Bedacht gekauft habe. Und mit meinen Ringen, Armreifen oder Ketten fühlen sich meine Outfits erst so richtig „rund“ an. Deswegen bin ich in diesem Bereich nicht wirklich minimalistisch, aber es fühlt sich auch nicht belastend oder beschwerend an.
  • Bücher. Ich habe zwei riesige Regale voller Bücher, warum verkaufe ich sie nicht? Ganz einfach: Weil ich sie noch nicht gelesen habe! Als megaambitionierte Literaturwissenschafts-Studentin habe ich mir am Anfang des Semesters immer alle zu lesenden Bücher gekauft (sie wurden ja auch in den Seminaren besprochen!), um dann am Ende wieder mal fest zu stellen, dass es unmöglich war, sie alle zu lesen. Also hole ich das jetzt nach und verkaufe die Bücher, wenn ich sie zu Ende gelesen habe. Nur meine Lieblingsbücher, die behalte ich!

MinimalismusSchmuck

WAS, DAS? NE, BRAUCH ICH NICHT!

  • Pflege und Cremes. Ja, ich habe mal sogenannte Back-Ups gekauft, für den Fall, dass mein geliebtes Waschgel/Peeling/… aus dem Sortiment geht. Ist es meistens auch, nur kam dann was Besseres. Und ich bin auf meinen ganzen sicherheitshalber gekauften Cremes und Co sitzen geblieben. Deshalb bin ich momentan nur am Aufbrauchen, Aufbrauchen und nochmal Aufbrauchen und möchte später auch nur noch die Cremes verwenden, die ich wirklich brauche. Das Gleiche gilt auch für Handcremes, Bodylotions, Shampoos … naja, ihr kennt das ja vielleicht!
  • Bürokram & Uni-Unterlagen. „Diese eine Kopie von Freuds Traumdeutung aus dem zweiten Semester könnte ich irgendwann schon nochmal brauchen in der PR. Ich warte lieber noch mit dem Wegwerfen. Und diese ganzen Buntstifte würden bestimmt ein paar Kinder total glücklich machen – aber vielleicht kommt meine kreative Phase wieder zurück und dann brauche ich 7 verschiedene Blautöne. Man weiß ja nie!“ Auch wenn es sich jetzt nicht so anhört: Ich habe schon sehr erfolgreich ausgemistet, aber dann finde ich doch wieder Papierkram und unnötiges Zeug, das ich mich nicht wegzuwerfen getraut habe … Dieses Projekt läuft nach wie vor und ich freue mich auf den Tag, wenn ich nur noch Papier und Unterlagen habe, das ich auch wirklich brauche.
  • Dekokram. Ich habe höchsten Respekt vor Menschen, die ihr Zuhause zu jeder Jahreszeit anders dekorieren. Aber ich kann das nicht, dafür habe ich überhaupt kein Talent und auch keine Geduld, das ganze Zeug erst zu kaufen und dann wieder weg zu räumen. Eine Dekoschale, ein fancy goldener Kerzenhalter und eine hübsche Dose vom Flohmarkt und ein paar übrig gebliebene Duftkerzen – mehr brauch ich nicht!

Zusammen gefasst: In einigen Bereichen reduziere ich mich gern, um meinen ökologischen Fußabdruck auf der Erde so gering wie möglich zu halten. Und in anderen Bereichen bin ich eben Quasi-Minimalistin, kaufe nichts Neues, aber genieße all das, was ich besitze und mir Spaß macht. Auch, wenn es für andere vielleicht ein Lippenstift zu viel ist 🙂

Wie seht ihr das eigentlich so mit dem Minimalismus und der Nachhaltigkeit? Gibt es Bereiche in eurem Leben, in dem ihr mit ganz wenig total glücklich seid? Und andersrum Parts, in denen ihr gern ein bisschen shoppt und noch das eine oder andere Teil dazu kauft? Ich bin gespannt auf eure Meinung!

5 comments

  1. Liebe Julia,

    ich finde das genau so, wie du sagst: jeder definiert „Minimalismus“ für sich individuell, muss seinen eigenen Weg gehen, der dauert und sollte zum Ziel haben, sich an der eigenen Zufriedenheit zu orientieren.
    Ich finde, diese „Bewegung“ ist eine gegen den ganzen Konsum“terror“, den wir durch die zu vielen Möglichkeiten erfahren und nicht mehr verarbeiten können.
    Allerdings finde ich radikale Lösungen wie alles auf 100 Teile zu reduzieren, alles wegschmeißen und nur noch weiße Sachen kaufen ehrlich gesagt an der eigentlich dahinter steckenden Logik vorbei und wird in meinen Augen nicht lange Bestand habe.
    Dazu gehört nämlich für mich so wie du es beschreibst, sich BEWUSST damit auseinander zu setzen und den Prozess auch sich entwickeln zu lassen.
    Ich shoppe mittlerweile ganz wenig und selten, aber nicht, weil ich es mir verbiete, sondern weil ich einfach oft schon all das im Leben habe, was ich brauche. 😉 Diese Bedürfnisse ändern sich auch mal und dann wird eben nachjustiert.
    Ich bin ja ein kleiner Kalendernerd und Papeteriekram bringt mich immer noch in Verzückung. Aber ich weiß auch: ich brauche nicht das 1000. Notizbuch. Darum bin ich vor ein paar Jahren dazu übergegangen, die Sachen, die ich toll finde, einfach zu foto-shoppen, also zu fotografieren, statt zu kaufen. Oder aber beim Gang durch den Laden erstmal ungehemmt alles was ich toll finde in den Einkaufswagwn zu legen und den dann aber vor der Kasse stehen zu lassen. (Ja, shame on me, aber immerhin ehrlich. 😉 ) Das hilft mir ungemein mein Shoppinggelüst zu befriedigen ohne es hinteher zu bereuen. 😀
    Außerdem versuche ih genauso wie du, möglichst Ressourcen schonend zu leben. Dazu gehört für mich auch Müll vermeiden, was ebenfalls mein Shoppingverhalten sehr verändert hat. Aus dem Grund schon kaufe ich vieles einfach gar nicht mehr, weil es mir nicht nachhaltig genug ist und / oder suche mir teilweise andere Produkte (wie Zahnbürsten, -pasta oder -seide).
    Ich mag deinen Weg und deine Gedanken und finde es toll, dass du beides hier mit uns teilst!

    Ganz liebe Grüße
    Sunray

    1. Sunray, das sind ja total viele großartige Tipps! Hast du eine gute Alternative zur herkömmlichen Zahnseide? Immer her damit! Ich hatte auch mal die Papeterie-Phase, die hat aber (glücklicherweise) nicht allzu lange angedauert … naja, dafür hatte ich andere Phasen und habe deshalb noch Unmengen von Lippenstiften im Schrank. Aber wie du sagst: Es ist alles ein Prozess! 🙂

      1. Ähem ein bisschen später: Ich probiere seit einiger Zeit die Zahnseide von Monomeer – und kann sie sehr empfehlen. Lediglich die Glasverpackung finde ich fürs Bad für mich ungeeignet. 😉

  2. Liebe Julia!

    Ich finde deine Einstllung klasse und sehe das ähnlich wie du: Minimalismus wird für jeden und jede anders definiert und (ganz wichtig!) ist immer ein Prozess.
    Dabei etwas über’s Knie brechen zu wollen ist weder für einen selbst noch für andere vorteilhaft und man tut niemandem einen Gefallen damit.
    Ich muss allerdings gestehen, dass ich im Moment dabei bin, meine gesamte Wohnung nach und nach zu minimalisieren (von meiner eigentlichen Vision bin ich aber noch weit entfernt). Ich habe herausgefunden, dass ich mich persönlich viel wohler fühle, wenn ich weniger Dinge besitze. Es wirkt alles überschaubar und leicht händelbar. Und nicht zuletzt sieht es sehr ästhetisch aus. 🙂
    Da sind noch viele Baustellen offen – beispielsweise finde ich die Idee eines Capsule Wandrobe sehr faszinierend und arbeite Schritt für Schritt darauf hin. Außerdem mussten schon viele Bücher gehen – die meisten lese ich ohnehin nur einmal (und ich bin eine echte Bücherlesemaschine 😉 ) und dann stehen sie im Regal herum. Behalten habe ich bisher nur meine Studienfachbücher und diejenigen, die mir wirklich etwas bedeuten. Aber ansonsten ist auch noch viel zu tun – und ich freue mich ehrlich gesagt immer wieder, wenn das Leben wortwörtlich wieder ein bisschen leichter geworden ist. 🙂

    Liebe Grüße
    Jenni

    1. Wow, danke für diesen langen Kommentar! Interessanter Aspekt, den du da in Bezug auf deine Wohnung nennst – zu viel finde ich total opulent und nervig, zu wenig dann allerdings zu kahl und kühl. Ein schöner Mittelweg dazwischen ist wie immer die goldene Lösung, richtig? 🙂
      Und ja, meine Bücher … Ich habe erst vor kurzem unglaublich viele verkauft und habe immer noch zwei Billy-Regale voller Bücher, die noch gelesen werden wollen. Hach Jenni, wenn wir dann Omas sind, haben wir es hoffentlich geschafft und all die Bücher gelesen! 🙂
      Ich wünsche dir ganz viel Erfolg auf deinem Weg zum Minimalismus (oder wie mans auch immer nennen mag!) und dabei immer einen leichten Kopf und ein leichtes Herz.

      Alles Liebe
      Julia

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