Nachhaltigkeit und Reisen – geht das?

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„Wir fahren übers Wochenende mit dem Auto an den Gardasee“, habe ich vor circa 6 Jahren reiselustig und stolz meiner Schwester erzählt. Ihre Antwort: „Na dann viel Spaß. Aber besonders nachhaltig und umweltfreundlich ist das nicht!“. Oh, das hat gesessen. Seit diesem kurzen Schlagabtausch habe ich mir vor und/oder während meiner Reisen einige Gedanken zum Thema Nachhaltigkeit in Verbindung mit Reisen gemacht und möchte euch von ein paar meiner Erfahrungen & Tipps erzählen. Natürlich steht dabei meine Asienreise im Mittelpunkt 🙂

Fliegen ist auch heutzutage noch keine nachhaltige Angelegenheit, sondern wegen der hohen Schadstoffemissionen eine ziemliche Belastung für die Umwelt und eine Lärmbelastung für Mensch und Tier noch dazu (hier findet ihr ausführliche Informationen zu diesem Thema). Aber immer Balkonien, auch wenn das wohl das regionalste Reiseziel überhaupt ist? Och nö! Ich wollte schon seit langem in die asiatische Kultur eintauchen, leckere Gerichte ausprobieren, wunderschöne Tempel besichtigen und die vielseitige Natur bewundern.

Der erste Schritt war aber nun mal der Flug dorthin. Angekommen in Bangkok war ich erstmal geschockt, denn da war kein köstliches Pad Thai oder ein goldener Tempel – nein, da fuhren unzählige Mofas, Roller, Mopeds, Autos, TukTuks, Taxis und Kleinlaster. Fahrräder? Fehlanzeige! Vor allem an meinem Abreisetag konnte ich aus der Metro sehen, wie dicht und undurchsichtig die Luft über der Hauptstadt Thailands hing. Ein grauer Nebel-Smog-Teppich. Und wieder einmal habe ich mich also gefragt: Wie könnte man Reisen generell und auch die Fortbewegung vor Ort etwas nachhaltiger und umweltfreundlicher gestalten?

Allgemein

  • Sich fragen, ob man wirklich ein Flugzeug braucht, um in den Urlaub zu kommen. Manche Reiseziele, vor allem in Deutschland und Europa, kann man auch sehr bequem mit der Bahn (dann aber am besten keine rußende Diesel-Lok) erreichen.
  • Einen langen Urlaub statt drei Kurztrips planen. Auch wenn mein  vorhin beschriebener Gardasee-Trip eine nette Abwechslung vom Alltag war, besonders nachhaltig war er nicht.
  • Vor allem in Asien waren für mich die Nachtzüge und -busse eine praktische Alternative zum Flugzeug. Abends um circa 19 Uhr einsteigen, nochmal für einen kurzen Essens-Stop anhalten, weiterfahren, schlafen und am nächsten Tag um circa 7 Uhr in der nächsten Stadt aufwachen – easy as that!DSC00319

Fortbewegung in der Stadt

  • Auf Taxis und TukTuks verzichten und die Metro nehmen. Besonders in Bangkok ist die Metro so unglaublich modern und schnell – eine großartige Alternative zu den Taxis, die eh alle zusammen im Stau stecken bleiben.
  • Laufen, laufen, laufen. Eine Stadt und ihre Facetten lernt man viel besser kennen, wenn man sie zu Fuß erkundet. Bangkok war dafür teilweise tatsächlich zu groß, aber Chiang Mai im Norden Thailands hat mir seine wunderschönen Ecken und Cafés gezeigt, als ich mir in den vielen Gässchen die Füße (fast) wund gelaufen habe.

Fortbewegung auf dem Land

  • Fahrrad fahren. Die Fahrräder sind wahrlich nicht die modernsten, aber es klappt! Wie auch beim Laufen habe ich die Erfahrung gemacht, dass man vor allem die Natur anders wahr nimmt, wenn man gemütlich mit der Fahrrad fährt und viel mehr Zeit zum Staunen hat als wenn man mit dem Roller oder Auto unterwegs wäre.

Am Strand

  • Am Strand spazieren gehen und den Müll einsammeln, den man dort so findet.

Bei einem anderen Thema hat mein Nachhaltigkeits-Herz arg geblutet: Plastik. Plastiktüten, Plastikflaschen, Plastiktüten für die kleinen Plastiktüten, Plastikteller, Plastikbesteck und und und. Mein Plastikverbrauch ist in diesem Urlaub gefühlt um 300% gestiegen. Allein in Bangkok bekommt man Mangos, Papayas und Ananas bereits mungerecht in Stücke geschnitten und natürlich in einer Plastiktüte…die der nette Verkäufer dann nochmal in einer weitere Tüte stecken will! Auch Fruchtsäfte und das unglaublich leckere Street Food gibt´s natürlich in und auf Plastikgeschirr. Am Ende meiner Reise habe ich einen Smoothie in einem superstylishen Glas bekommen – hach, was habe ich mich gefreut. Wie gesagt, ich habe in diesem Urlaub leider viel zu viel Plastikmüll produziert, aber ein paar Tipps habe ich trotzdem, wie man darauf verzichten kann.

  • Im Supermarkt: No. Bag. Please. Für eine Wasserflasche braucht man eh keine Tüte und die restlichen Einkäufe kann man in den Jute-Beutel stecken.
  • Wo wir beim Thema sind: Jute-Beutel! Einen oder zwei einpacken und damit einkaufen oder als Strandtasche verwenden.
  • Falls man doch mal eine Tüte übrig hat: Wieder verwenden! Vielleicht als Müllbeutel am Strand oder für schmutzige Wäsche.
  • Frische Früchte auf dem Markt kaufen. Ist umweltfreundlicher, weil ohne Plastik und in der Regel auch günstiger (Ich sage nur: 1 Kilo Mangos für 80 ct von einem vietnamnesischen Markt!)
  • Bei Street Food darauf achten, ob Wegwerfgeschirr verwendet wird. Wenn ja, weiter suchen … Der nächste leckere Essensstand kommt bestimmt.
  • Plastikflaschen wieder auffüllen. Ich habe meine SIGG Trinkflasche nicht mitgenommen, um Platz in meinem Rucksack zu sparen. Die Konsequenz? Ich musste ständig neue Wasserflaschen kaufen. Glücklicherweise gab es ziemlich oft die Möglichkeit in den Unterkünften, Flaschen aus einem großen Wasserkanister wieder aufzufüllen.

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Das war jetzt hoffentlich eine gute Kombination aus Tipps und klitzekleinem Reisebericht. Mir geht es in diesem Post nicht darum, altkluge Ratschläge mit dem „Du MUSST das so und so machen“ – Beigeschmack zu erteilen. Für mich selbst wurde das Thema „Nachhaltigkeit auf Reisen“ manchmal zur großen Herausforderung. Vielmehr möchte ich meine Erfahrungen teilen und euch mit den Tipps vielleicht zum Nachdenken anregen.

Ist euch Nachhaltigkeit beim Reisen wichtig? Wenn ja, wie handhabt ihr das? Habt ihr noch weitere Tipps, damit wir alle in Zukunft so grün wie möglich Urlaub machen können?

3 comments

  1. […] Ich wollte so nachhaltig wie möglich reisen (meine Gedanken über nachhaltiges Reisen findet ihr hier) und habe stattdessen auf das Flugzeug verzichtet und bin mit dem Nachtzug gefahren – eine […]

  2. Ich bin auch gerade in Asien und war am Anfang auch geschockt über die Müllberge hier. Generell das fehlende Bewusstsein hier für die Umwelt macht mich enorm traurig. Daher ist es für mich umso wichtiger, nicht noch dazu beizutragen.
    Ich benutzte wiederbefüllbare Trinkflaschen, hab immer einen Jutebeutel bei mir und versuche so viel wie möglich zu laufen.

    Beste Grüße,
    Jana

    1. Hi Jana,
      danke für deinen Kommentar und noch viel mehr für dein Umweltbewusstsein und deine aktiven Schritte gegen die Verschmutzung der Welt. Asien ist, was Müll angeht, wirklich schockierend und ich bin froh, dass wenigstens hier immer mehr Menschen spüren, dass sich etwas ändern muss.

      Liebe Grüße
      Julia

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